Gedanken zum Kirchenaustritt und den Konsequenzen

Ausgetreten wegen des Geldes. Das bekommen wir leider häufig zu hören. An dieser Stelle möchten wir ein paar Gedanken zur Diskussion stellen:

Rechnen wir das einmal durch: Neben den Sonntagen gibt es sieben kirchliche Feiertage in Niedersachsen, die im Laufe eines Jahres in die Woche fallen. An diesen kirchlichen Feiertagen haben auch Ausgetretene arbeitsfrei. Das heißt sie müssen nicht arbeiten und bekommen trotzdem Lohn bzw. Gehalt. Bezahlte Freizeit. Gemäß der Logik, dass ich mir als Evangelischer am katholischen Fronleichnamstag auch nicht frei habe, müssten die Konfessionslosen an kirchlichen Feiertagen arbeiten. Soweit ist es aber noch nicht. Sieben Feiertage bezahlte Freizeit sind 7x8 Std. Tag= 56 bezahlte Arbeitsstunden, die nicht geleistet werden. Dieses ausgezahlte Gehalt überschreitet – allein über den Daumen gepeilt den Betrag der Kirchensteuer, der im ganzen Jahr vom Gehalt abgebucht wird. Wer also aus der Kirche austritt, der spart anscheinend nicht nur die Kirchensteuer, sondern bekommt zusätzlich 56 Stunden freie Zeit bezahlt, die ihm eigentlich nicht mehr zustehen als Folge der (noch) christlichen Prägung unseres Landes. Er hat scheinbar finanziell davon profitiert.

Dieses funktioniert jedoch nur noch solange der Anteil der Konfessionslosen im Verhältnis zu den Christen geringer bleibt. Nehmen die Konfessionslosen in der Bevölkerung weiter zu, dann fehlt bald die Legitimation, den gesetzlichen Schutz der kirchlichen Feiertage zu garantieren. Stellen Sie sich Himmelfahrt als Werktag vor oder Weihnachten im Büro! Vielen Arbeitgebern sind kirchliche Feiertage schon lange ein Dorn im Auge. Vor einigen Jahren haben wir bereits den Buß- und Bettag verloren. Der zweite Pfingsttag und Himmelfahrt stehen bereits auf der Abschussliste. Und die 52 Sonntage im Jahr, die als Gedenktage der Auferstehung Jesu auch zu den kirchlichen Feiertagen gehören, werden seit langem schon in Frage gestellt. Was zunächst wie ein finanzieller Gewinn aussieht, kann sich längerfristig als herber (auch finanzieller) Verlust entpuppen.

Ihre Evangelische Kirche setzt sich schon seit Jahren für den Sonntags- und Feiertagsschutz ein. Zurzeit läuft eine Verfassungsklage für den Sonntagsschutz. Aber die Kirche kann das nur so lange tun, wie die Mehrheit der Bevölkerung noch christlich ist. Wer aus der Kirche austritt, entzieht der Kirche die Grundlage, sich für den Sonn- und Feiertagsschutz einzusetzen und setzt damit auch die Segnungen der christlichen Religion aufs Spiel, von denen wir bisher profitieren.

Quelle, Internetseite: www.clus-kirche.de

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