Nach nur zwei Jahren mit einem Gemeindepfarrer steht die Kirchengemeinde Oker erneut vor einer Vakanz. Pfarrer Martin Stützer hat dem Kirchenvorstand seinen Weggang angekündigt. Kirchenvorsteher Marius Rademacher-Ungrad hat ein Interview mit Pfarrer Stützer geführt, um mehr über die Hintergründe und die Zukunft der Gemeinde zu erfahren.

 

Das Interview wurde am Montag, den 20. Mai 2019 im Pfarrhaus geführt. Die Fragen sind in dick agebildet. MRU steht für Kirchenvorsteher Marius Rademacher-Ungrad. Die Antworten von Pfarrer Martin Stützer sind mit Stützer und in normaler Schrift abgebildet.

 

MRU:   Vor kurzem hast du dem Kirchenvorstand mitgeteilt, dass du die Gemeinde im August verlassen wirst. War das eine geplante Entscheidung?
Stützer:   Nein, keinesfalls. Die Anfrage kam auch für mich völlig unerwartet Anfang März von der Landeskirche. An der Berufsbildenden Schule in Salzgitter-Fredenberg ist zum Anfang des neuen Schuljahres eine Vollzeitstelle, aufgrund des Ruhestandes des bisherigen Stelleninhabers, neu zu besetzen. Nach etwas Bedenkzeit habe ich mich für diese Stelle entschieden. Wegen der notwendigen Wege konnte ich den Kirchenvorstand erst ende April über die Umstände informieren.
MRU:   Hattest du dich auf andere Stellen beworben und dadurch diese nun angeboten bekommen?
Stützer:   Als ich aus Bolivien zurück nach Deutschland gekommen bin habe ich mich nach anderen Stellen als einer Gemeindestelle umgesehen. Doch da gab es zu diesem Zeitpunkt keine. Daher habe ich dann doch nach einer Gemeindepfarrstelle gesucht und bin dann aufgrund des Profils der Gemeinde und der Nähe zur Heimat auf Oker gestoßen. Meine Erfahrungen im Ausland, wo ich auch schon unterrichtet habe, engen Kontakt zu anderen Religionen hatte und natürlich auch die Zusammenarbeit hier mit der Moschee in Oker passen gut in das Profil für die Stelle in Fredenberg. Denn die Berufsschule hat 2500 Schüler aus 40 verschiedenen Nationen mit den verschiedensten Religionen. Daher schien ich der Landeskirche ein geeigneter Kandidat dafür zu sein.
MRU:   Hat die Gemeinde nicht gepasst oder war es überhaupt dein Plan nach so kurzer Zeit weiterzuziehen?
Stützer:   Nein, die Gemeinde und ihre Gruppen haben nichts mit meinem Fortgang zu tun. Es war ja von vornherein klar, dass ich mich nicht nur um die Belange in Oker kümmern werde. Daher war ich nicht bei allen Treffen der Gemeindegruppen. Natürlich gab es hier und da Punkte, bei denen man angeeckt ist, aber das ist völlig normal. Auch ich habe meine Ecken und Kanten, die hat jeder und da gehören Meinungsverschiedenheiten einfach dazu. Aber das ist wirklich nicht der Grund dafür, dass ich nun die Gemeinde verlasse. Und es war auch nicht geplant, dass ich so schnell wieder gehe. Eher so nach acht bis zehn Jahren Meiner Meinung nach sollten sich eine Gemeinde und ein Pfarrer, eine Pfarrerin nicht zu sehr aneinander gewöhnen, denn dann fehlen irgendwann die neuen innovativen Ideen und die Gemeinde tritt auf der Stelle. Ich kann jetzt auch noch nicht sagen, ob ich für die nächsten 20 Jahre Lehrer bleibe.
MRU:   Wenn ich deine Antwort richtig verstehe, siehst du deinen Weggang nicht nur als Chance für Dich, sondern auch als Chance für die Gemeinde?
Stützer:   Ich finde, es ist eine Chance für beide Seiten. Denn mit einem neuen Pfarrer kommen auch neue Impulse in die Gemeinde. Bei mir war es zum Beispiel die veränderte Art der Gottesdienste, so bringt jeder seine Ideen mit. Und natürlich entwickeln sich Gemeinde und Pfarrer auch zusammen. Dabei stehen die christliche Botschaft und die Art wie man diese weitergibt im Vordergrund. Auch mit dem Kirchengemeindeverband Goslar wird sich einiges verändern, aber die Botschaft, die wir zu erzählen haben, bleibt dieselbe. Veränderungen sind nicht grundsätzlich immer schlecht und daher ist es auch wichtig, dass sich eine Gemeinde nicht bei allen Änderungen auf Sätze wie „Das war aber schon immer so“ beruft. Ansonsten kann sich eine Gemeinde nicht weiterentwickeln.
MRU:   Wie wird es nun für unsere Gemeinde weitergehen?
Stützer:   Darauf habe ich leider keine Antwort und auch keinen Einfluss. Die Zeit der Vakanz fällt in die Zuständigkeit der Propstei. Klar ist, dass die Stelle in Zusammenarbeit mit dem Kirchenvorstand und dem Kirchengemeindeverband ausgeschrieben wird. Normalerweise sollte die Vakanz-Vertretung im neuen Kirchengemeindeverband organisiert werden, dass ist aber durch die bereits offene Stelle in St. Stephani sehr schwierig. Seit dem letzten Sommer habe ich ja zum Beispiel auch in den Kirchengemeinden St. Johannes Ohlhof und St. Peter Sudmerberg, die zu der Stelle in Stephani gehören, die Vakanzvertretung innegehabt. Auch dafür muss nun Ersatz gefunden werden. Der Propst weiß um die Problematik und wird sicher schon an einer Lösung arbeiten. Im Juni hat er eine Zusammenkunft mit dem Kirchenvorstand geplant, um genau diese Themen zu besprechen.
MRU:   Nun stehen Ereignisse wie die neue Konfirmandengruppe mit dem KFS, Einschulung und Goldene Konfirmation an. Ist davon etwas in Gefahr?
Stützer:   Alle diese besonderen Ereignisse und Gottesdienste finden natürlich statt. Auf das Konfirmanden-Ferien-Seminar werde ich noch mitfahren. Das findet übrigens in einem anderen Haus statt als geplant, da das ursprüngliche Haus leider in die Insolvenz gerutscht ist. Aber Nachteile entstehen uns dadurch zum Glück nicht. Wie es ab August mit dem Konfirmandenunterricht weitergeht kann weder der Propst noch ich zum aktuellen Zeitpunkt sagen. Nur eins ist klar – der Unterricht wird stattfinden. Und das Konfi-Team ist ja auch noch da und wird sicher bestmöglich bei der Durchführung unterstützen. Die Konfirmation wird dann wie geplant am 3. Mai 2020 in der Martin-Luther-Kirche stattfinden.
Für die Einschulung und die Goldene Konfirmation konnte ich bereits Pfarrer Martin Feuge aus dem Bereich Wolfenbüttel gewinnen. Beides findet also wie geplant statt. Einen Großteil der Sonntagsgottesdienste wird Kirchenvorstandsvorsitzender und Prädikant Norbert Bengsch übernehmen.
MRU:   Bevor wir nach vorne schauen, nochmal einen Blick zurück. Was hat dir an der Arbeit in und an Oker nicht gefallen und was schon?
Stützer:   Eine nicht ganz einfach zu beantwortende Frage. Ich glaube, dass eine der größten Stärken der Kirchengemeinde Oker zugleich auch etwas ist, was schwierig ist. In der Kirchengemeinde - und im Ort - gibt es viele verschiedene Menschen, die wunderbare Ideen haben, Projekte angehen, den Ort zu einem besseren Ort zum Leben machen wollen. Bei uns in der Gemeinde gibt Angebote für Kinder und Jugendliche: Kinderkirche, Jugendgruppe, Konfirmandenarbeit. Der Feierabendkreis, der Frauentreff, die Werkgruppe, die 'Mittendrin' - Frauen, die Kantorei, das Gemeindefrühstück und der Mittagstisch laden dazu ein, gemeinsam Zeit zu gestalten. Menschen aus der Gemeinde sind bei der Tafel oder im Netzwerk Mensch engagiert oder in anderen Projekten, auch über Oker hinaus. Es gibt den Abrahamskreis als Ort des Dialoges zwischen den Religionen und Kulturen. Und wir feiern Gottesdienste. Diese Menschen, die sich nicht mit dem Vorfindlichen zufriedengeben wollen, sondern ein Gespür für Gemeinschaft und soziales Miteinander haben, sind ein großer Schatz, den es unbedingt zu bewahren und zu pflegen gilt. Alle Gruppen und Kreise könnten ganz sicher auch neue Mitglieder vertragen.
Traurig hat mich manches Mal gemacht, dass die Gruppen und Kreise gefühlt nebeneinander her existieren und es kein gemeinsames: Wir sind die Kirchengemeinde Oker! zu geben scheint, sondern jeder und jede für sich allein plant und arbeitet. Das führt leider zu unnötigen Konflikten und Missverständnissen. Im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit ist mit der gemeinsamen Absprache und dem gemeinsamen Infoflyer schon ein wichtiger und richtiger Schritt getan. Die Grundfrage für mich ist diese: Warum engagieren wir uns in der Kirchengemeinde? Was hält uns zusammen über alles hinweg, was uns das Miteinander manches Mal schwer macht? Als Christ lautet die Antwort für mich: Die gute Botschaft von dem Gott, der mich annimmt, wie ich nun mal bin. Das hat Folgen: Für das Miteinander in der Gemeinde und an dem Ort, an dem ich lebe. Vorurteile soll es nicht mehr geben, jede und jeder ist so angenommen und akzeptiert, wie er oder sie ist. Egal, was mich auch immer stören mag. Weil Gott mich auch so annimmt, wie ich bin. Diese gute Botschaft, dieses Evangelium, sollen wir in unsere Welt hineintragen - durch Gottesdienst und Bibelarbeit, sicher auch durch ganz praktisches Tun.
MRU:   Nun möchten wir aber auch erfahren was deine neue Aufgabe sein wird.
Stützer:   Ich werde die Stelle als Schulseelsorger an der Berufsbildenden Schule in Salzgitter-Fredenberg antreten. Diese teilt sich in zwei große Schwerpunkte auf. Zum einen geht es darum, die SchülerInnen in den sozialen Ausbildungsberufen, wie Erzieher(innen), Alten- und Krankenpflege auf Berührungspunkte mit Glauben und Religionen vorzubereiten und Ihnen die Angst, zum Beispiel vor einem gemeinsamen Gebet, zu nehmen. Und auch der Umgang mit den Themen Sterben und Tod spielen eine Rolle. Der zweite große Part ist eben die Schulseelsorge und Sozialarbeit. Dort bin ich für die SchülerInnen und Lehrkräfte Ansprechpartner bei Problemen aller Art.
MRU:   Wann wirst du uns verlassen?
Stützer:   Offiziell bin ich zum 15. August in meiner neuen Aufgabe. Da ich aber bereits ab dem 12. August an den Schulkonferenzen teilnehme und auch meinen Umzug über die Bühne bringen muss werde ich schon etwas vorher aus dem Pfarrhaus ausziehen. Die Details dazu sind aber noch nicht geklärt. Fest steht aber der Termin für meine Verabschiedung. Den Verabschiedungsgottesdienst feiern wir am Sonntag, 25. August 2019, um 17 Uhr in der Martin-Luther-Kirche.
MRU:   Vielen Dank für deine ausgiebigen Antworten und schon jetzt viel Spaß und Erfolg mit deiner neuen Aufgabe.

Gottesdienste

So, 30.06, 10:30 Uhr
Gottesdienst
So, 07.07, 10:30 Uhr
Gottesdienst
So, 14.07, 10:30 Uhr
Freiluft-Gottesdienst

Termine der Gemeinde

Sa, 06.07, 00:00 Uhr
Konfirmanden-Ferien-Seminar
Sa, 27.07, 00:00 Uhr
Sommerfreizeit der Jugendgruppe
So, 25.08, 17:00 - Uhr
Verabschiedung von Pfarrer Stützer

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