Pfarrer kommen, Pfarrer gehen...

Pfarrer Wieland Curdt wird unsere Gemeinde nach über acht Jahren zum September verlassen. Im Interview spricht er über Gründe, Erlebnisse und Wünsche.

MRU: "Vor acht Jahren bist du in unsere Gemeinde gekommen. Was waren deine ersten Gedanken und Gefühle?"

Curdt: "Ich hatte gerade erst mein Examen fertig und nicht erwartet überhaupt eine Pfarrstelle zu bekommen. Die Freude war natürlich riesig groß. Endlich alleine arbeiten, ohne dass einem auf die Finger geschaut wird."

MRU: "Dein erster Eindruck von Oker?"

Curdt: "Super gut. Nicht nur, dass Oker ein sehr schöner Ort ist, sondern auch die Menschen hier. So offen und ehrlich, das ist etwas Besonderes. Meine Begrüßung werde ich nie vergessen. Da kommt jemand Fremdes, von dem die Menschen bis dahin nur den Namen kannten und singen zusammen zur Begrüßung >Hier kommt Curdt, ohne Helm und ohne Gurt, einfach Curdt, der nicht quengelt und nicht murrt<. Es zeigte, dass man gebraucht und gewollt ist. Das stärkt einen für die anstehende Arbeit sehr. Viele Menschen wollen zusammen Gemeindeleben gestalten, ein >Wir-Gefühl<, was man nicht so oft findet. Man kann schon sagen, dass Oker wie eine erste große Liebe war."

MRU: "Hattest du auch Bedenken bevor du herkamst?

Curdt: "Ein bisschen Sorge war schon dabei. Ich hatte Sorge, dass ich nicht allen Vorstellungen der Menschen gerecht werden würde. Gleichzeitig aber auch Sorge, dass ich mich nur an den Erwartungen der Menschen orientiere und mich dabei selbst verliere. Letztendlich habe ich aber meiner Empfindung nach einen guten Weg gefunden und - so glaube ich - einen guten Umgang damit gefunden. Man kann eben nicht jedem gerecht werden und das sollte auch nicht das Ziel eines Pfarrers sein. Selbst Jesus hat das nicht geschafft. Eine Sorge aber war auch das Wohnen im Pfarrhaus. Ein Leben auf dem Präsentierteller mit nur wenig Anonymität und Privatsphäre. Das hat mich bis zum Schluss gestört."

MRU: "Du hast in acht Jahren viel frischen Wind in die Gemeinde gebracht. Was waren dabei die für dich prägnantesten Erlebnisse?"

Curdt: "Die Martinshörner - unserer Kabarettgruppe. Ich habe so gerne Kabarett gespielt. Die Gruppe rief ich nach 1,5 jähriger Pause zurück ins Leben. Vorher hieß die Gruppe >Die Luther-Rosen< und trat überregional auf, mit den Martinshörner blieben wir aber in der Gemeinde.
Als nächstes lag mir und liegt mir heute auch immer noch die Jugendarbeit sehr am Herzen. Zusammen mit Aksel Hahn rief ich Konfirmanden aus dem letzten Jahr an und lud sie zu einem Treffen ein. Alles Konfirmanden von meiner ersten Konfirmation in Oker. Im April 2008 gründete sich daraus der offene Jugendtreff, damals noch unter anderem mit Björn Nause. Es freut mich sehr, dass dieser offene Jugendtreff noch heute so aktiv ist dank dir und dem Team.
Auch eine Homepage haben wir jetzt. Und dass die einmal den ersten Preis in der Landeskirche gewinnt, hätte ich nicht gedacht. Das hat mich sehr glücklich gestimmt.
Dann sind da natürlich noch der Gemeindebrief, der Entwicklungsausschuss, das Angebot zur Beteiligungskirche aus dem der Frauenkreis >Mittendrin< hervor ging. Die besonderen Gottesdienstformen wie Valentinsgottesdienst, Filmgottesdienste, Open-Air-Gottesdienste und Jugendgottesdienste. Und ich freue mich noch immer, dass es uns gemeinsam gelungen ist, die Martin-Luther-Kirche von außen zu sanieren und ihre Orgel, die Engelhardt-Böß-Orgel, komplett zu überholen. Kein schöner, aber dennoch notwendiger und wegweisender Schritt war der Rückbau des ehemaligen Paulus-Zentrums. Den Entwidmungsgottesdienst der Pauluskirche werde ich nie vergessen."

MRU: "Auch deine Sonntagsgottesdienste empfanden die Menschen direkt als frischer."

Curdt: "Das freut mich natürlich. Ich mache mir viele Gedanken zu dem, wie ich den Gottesdienst gestalte und was ich darin sage. Wir haben auch die neue, zeitgemäßere Liturgie eingeführt, doch trotz allem sinkt die Zahl der Gottesdienstbesucher zu regulären Gottesdiensten allmählich. Einige sind, seitdem ich hier tätig bin, verstorben oder ins Seniorenheim gegangen. Vielleicht ist jetzt auch einfach der Reiz des Neuen weg."

MRU: "Wo du gerade Reiz des neuen sagtest, siehst du für die Gemeinde eine Chance durch dein fortgehen?"

Curdt: "Natürlich ist es eine Chance für die Gemeinde. Es kann auch von Vorteil sein für den Pfarrer, aber auch für die Gemeinde, wenn personeller Veränderungen anstehen. Und: Neues zieht ja bekanntlich immer gut an."

MRU: "Hast du genug von uns?"

Curdt: "Nein auf keinen Fall. Weder die Menschen noch der Ort vertreibt mich. Für mich stand von Anfang an fest, dass ich noch einmal etwas neues Erleben möchte. Auch raus aus dem Bereich der Landeskirche. Nun ist es Österreich geworden. Baden bei Wien. Darüber freue ich mich sehr. Auch für mein Privatleben ist dieser Wechsel sicherlich sehr sinnvoll.

MRU: "Jetzt interessiert es mich und viele Menschen natürlich, wo es dich hinzieht. Erzähl doch mal ein bisschen etwas über Baden."

Curdt: "Ich gehe nach Baden, in die Nähe von Wien. Baden ist ein Kur- und Kulturort mit knapp 25000 Einwohnern. Die evangelischen Christen sind allerdings in der Minderheit. Nur knapp 2000 der 25000 Einwohner gehören der Gemeinde an. (Zum Vergleich Oker: 6500 Einwohner - 3000 Mitglieder in der ev. Gemeinde)."

MRU: "Was erwarten dich dort für Aufgaben?"

Curdt: "Ich werde dort auch an einem Gymnasium evangelische Religion unterrichten. Das ist in Österreich normal. In so einem Kurs sind oft nicht mehr als zirka 10 Schüler und diese Schüler besuchen den Religionsunterricht freiwillig. Das ist ein ganz anderes Arbeiten.
Natürlich habe ich auch schon einige Ideen für die Gemeinde, aber die werde ich nicht verraten. Erstmal möchte ich mich dort einleben und schauen, ob diese Ideen dort in die Gemeinde passen. Ich hoffe natürlich, dass sich die Gemeinde über etwas Neues freut, wie es in Oker der Fall war."

Pfarrer Curdt wird am Sonntag, den 03. Mai 2015 um 10 Uhr Gottesdienst halten. Es ist der diesjährige Konfirmationsgottesdienst.

Der Abschiedsgottesdienst für Pfarrer Curdt findet am 18. Juli 2015 um 17 Uhr in der Martin-Luther-Kirche Oker statt.

 

 

Dieses Interview führte Kirchenvorsteher und Webmaster Marius Rademacher-Ungrad (MRU).

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So, 08.11, 10:30 Uhr
Gottesdienst mit Abendmahl

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